Ulf Thiele: Naturschutz nicht auf dem Rücken der Bevölkerung umsetzen

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Archivfoto: Ingo Tonsor @LeserECHO.de

Angeordneter stellt Tidepolder Coldemüntje in Frage / „Nicht um jeden Preis“

Das geplante Tidepolder Coldemüntje ist einer der Streitpunkte im Masterplan Ems: „Es ist ein  wünschenswertes Naturschutzprojekt an dem Fluss, aber eine Auswirkung auf die Wasserqualität der Ems wird es wohl nicht haben“, ist Ulf Thiele nach zahlreichen Gesprächen sicher. Vor allem aber dürfe es „nicht auf dem Rücken der Bevölkerung umgesetzt werden“. Und das könnte passieren, wenn ein Großteil der auszubaggernden 340.000 Kubikmeter per Lastwagen durch die kleinen Emsorte transportiert werden. Dass die Gemeinde Westoverledingen ganz entschieden dagegen ist, machten Bürgermeister Theo Douwes und der Verwaltungsausschuss im Gespräch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Ulf Thiele deutlich. „Auch ich sehe das sehr kritisch“, so der Politiker.

Das bisherige Konzept hatte vorgesehen, rund 120.000 Kubikmeter Klei, also ein gutes Drittel des gesamten Bodenaushubs, auf landwirtschaftlichen Flächen direkt am Polder aufzubringen. Damit sollte die Qualität der Böden verbessert werden. Und es wären zahlreiche Lkw-Fahrten durch die anliegenden Dörfer entfallen. Doch ein Gutachten der Landwirtschaftskammer hatte ergeben, dass ein Bodenauftrag auf allen landwirtschaftlichen Flächen zu einem Anstieg der Schadstoffgehalte führen würde: Die gesetzlichen Grenzwerte für an der Ems natürlich vorkommende Bodeninhaltsstoffe würden überschritten. Auch der Stickstoffgehalt des Materials hätte die Bodenqualität nicht verbessert, sondern verschlechtert. Jetzt soll ein Großteil des Bodenaushubs für den Deichbau verwendet werden – aber ohne zahlreiche Lkw-Fahrten geht auch das nicht.

Ulf Thiele erinnerte daran, dass die einzelnen im Masterplan Ems vorgesehenen Maßnahmen „nicht zwingend“ seien. „Wenn sich ein Teilprojekt als nicht sinnvoll erweist, dann muss es in Frage stellen und vielleicht auch wieder aus dem Maßnahmenkatalog streichen.“ Zumal durch das Tidepolder Coldemüntje Auenlandschaften geschaffen würden, „die es früher ja hier nie gab“.  Insgesamt sei die Qualitätsverbesserung der Ems nicht gegen, sondern nur mit den Menschen in der Region umsetzbar. „Das dürfen die Verantwortlichen nicht aus den Augen verlieren.“


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