Tödliche Hitze für Mauersegler-Nachwuchs

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Foto: © NABU/Joachim Neumann

Hitze macht vor allem den Kleinsten zu schaffen

Hannover – Für viele junge Mauersegler ist die derzeitige Hitze tödlich: Weil Mauersegler vor allem in hohen Gebäuden unter Dächern und in exponierten Nistkästen brüten, erhitzen sich ihre Nistquartiere mitunter extrem. Auf der Suche nach Abkühlung am luftigen Nesteingang stürzen dann immer wieder Jungtiere ab und bleiben hilflos am Boden liegen.

„Selbst wenn sie den Sturz unverletzt überstehen, sind ihre Überlebenschancen leider marginal. Denn im Gegensatz zu anderen Vogelarten füttern Mauersegler ihre Jungen nicht außerhalb des Nestes“, erklärt die Leiterin des NABU-Artenschutzzentrum Leiferde Bärbel Rogoschik. Helfen lasse sich den Jungvögeln nur mit einer Handaufzucht, die aufwändig und bei Verletzungen oftmals erfolglos ist.

Für den Mauerseglerbestand sind solche – trotz aller Tragik zur Natur gehörende – Unglücksfälle im Normalfall problemlos verschmerzbar. „Die Krux ist, dass wir beim Mauersegler keinen Normalfall haben, sondern einen Problemfall: Die Bestände sind im Sinkflug, weil es viel zu wenige Nistplätze gibt und auch die Nahrung knapp ist“, erklärt die NABU-Expertin.

„Nistquartiere an Gebäuden gehen verloren, weil bei Sanierungen viel zu selten an die tierischen Mitbewohner gedacht wird, obwohl das vorgeschrieben ist“, sagt Bärbel Rogoschik. „Bei Mauerseglern und Co. herrscht Wohnungsnot. Dabei sind Gebäudesanierungen auch vogelfreundlich möglich.“ Weil Mauersegler Insekten fressen und deren Bestände unter anderem durch den starken Gifteinsatz in der Landwirtschaft und sogar in häuslichen Gärten zurückgehen, fehlt es den rasanten Fliegern zudem oft an Nahrung.

„Wer Mauerseglern helfen möchte, kann Nistmöglichkeiten an Gebäuden schaffen – etwa durch spezielle Mauerseglerkästen – und auf Gift im Garten verzichten. Für abgestürzte Jungsegler komme indes in aller Regel jede Hilfe zu spät.

Weitaus bessere Überlebenschancen haben dagegen Jungvögel anderer Arten, die naturgemäß bereits das Nest verlassen haben, ohne schon richtig fliegen zu können. „Diese Jungvögel sollte man auf jeden Fall an Ort und Stelle belassen, weil sie von ihren Eltern weiter gefüttert werden, sobald die Menschen verschwunden sind“, erklärt Rogoschik. Sinnvoll sei allenfalls, die Jungvögel von der Straße oder dem vielbegangenen Gehweg in den Grünstreifen daneben umzusetzen. Wer Jungvögel mitnimmt, tue ihnen dagegen keinen Gefallen. Zumal bei anderen Arten die Überlebenschancen nach der Handaufzucht noch weitaus schlechter stehen als bei Mauerseglern.


Hintergrundinfos zum Mauersegler

Der Himmel ist der Lebensraum der Mauersegler. Am Himmel jagen Mauersegler nach Insekten, dem Luftplankton. Und dort schlafen Mauersegler – im Flug! Nur als Küken und während der Brutzeit halten sich Mauersegler auf festem Untergrund auf. Ihre Füßchen sind so klein und ihre Flügel so lang, dass sie, einmal versehentlich gelandet, nur schwerlich wieder starten können. Der wissenschaftliche Name Apus apus leitet sich von der griechischen Bezeichnung für fußlos ab. Mauerseglerbrutplätze befinden in der Natur in Felsen und in Siedlungen in Spalten und Nischen hoch oben an Gebäuden, von denen sie sich in die Luft stürzen und losfliegen können. Ganz selten brüten sie auch in Baumhöhlen.

Mauersegler jagen nicht selten in großer Höhe von bis zu 3.000 Metern über der Erde. Die Flughöhe schwankt mit dem Nahrungsangebot. Bei schlechtem Wetter fliegen sie auch flach über dem Grund. In Europa sind als Nahrungstiere unter anderem Blattläuse, Käfer, Fliegen und Hautflügler wie Bienen, Wespen oder Ameisen nachgewiesen worden, in Afrika auch schwärmende Termiten. Um zu trinken, nehmen Mauersegler in einem schnellen, geraden Gleitflug direkt von der Gewässeroberfläche Wasser auf.

Mauersegler sind Langstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern und in der Regel Ende April/ Anfang Mai zu uns zurückkehren. Ihre Brutzeit erstreckt sich bis Ende Juli. Es gibt nur eine Jahresbrut, aber nach Gelegeverlust oft eine Ersatzbrut. Die Brutdauer ist abhängig von klimatischen Bedingungen und variiert zwischen 18 (schönes Wetter) und 25 Tagen (schlechtes Wetter).


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