„Autismus kommt in allen Schichten vor“

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Der CDU-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Ulf Thiele, informierte sich im Autismus-Therapiezentrum Leer über die Arbeit, aber auch die Herausforderungen der seit Anfang 2017 bestehenden Einrichtung. Seine Gesprächspartner waren die Diplom-Psychologen Martina Steinhaus (rechts), Geschäftsführerin der Autismus-Therapie Weser-Ems gGmbH, und Ulrike Andrecht-Geiken, Therapeutische Leiterin des Zentrums in Leer. Foto: Alex Siemer

Ulf Thiele besuchte Autismus-Therapiezentrum Leer / Rund 70 Klienten

„Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, eine Behinderung, die nicht geheilt werden kann. Denn normale Menschen funktionieren neuronal anders“, so Martina Steinhaus, Geschäftsführerin der Autismus-Therapie Weser-Ems gGmbH, die in Meppen, Emden, Oldenburg, Bassum und seit Anfang 2017 auch an der Hauptstraße in Leer Therapiezentren unterhält. Rund 70 Klienten werden hier ambulant betreut. „Der jüngste ist vier, der älteste 55 Jahre alt“. Die weitaus meisten Autisten hätten sich mit ihrer Umwelt arrangiert, sich angepasst, und ihre Krankheit fiele kaum auf, berichtete die Diplom-Psychologin im Gespräch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Ulf Thiele, der die Leeraner Einrichtung im Rahmen seiner Praxis-Tage in diesem Sommer besuchte.

Von Autismus betroffen seien Menschen aller Altersgruppen und er komme in allen Schichten vor. Das sei eine genetische Disposition, von der in aller erster Linie Jungen und Männer betroffen seien. Die Betroffenen hätten Schwierigkeiten bei der sozialen Eingliederung, mieden oft Kontakte zu anderen Menschen. „Wenn sie sich unterhalten, weil es nicht anders geht, ist das für die Autisten extrem anstrengend, denn sie müssen sich die ganze Zeit über verstellen“, erläuterte Steinhaus.

Dabei seien Autisten keineswegs dumm oder ungebildet: „Unsere Klientel hat oft eine gute bis bessere Intelligenz“, ist die Erfahrung von Steinhaus. Und bei bestimmten Themen seien sie Überflieger. So kenne sie einen Jungen, der nahezu alles über Nordkorea wisse und sich sehr stark für das ostasiatische Land interessiere. Andere sind sehr gut in Mathematik, für wieder andere ist das Erlernen von Sprachen die Spezialität. Wenn sie dann in diesen Bereichen gefordert seien, würden Autisten Hochleistungen vollbringen. Dafür hätten sie Probleme bei sozialen Kontakten oder auch bei Alltagstätigkeiten. Hier geben die Autismus-Zentrum Hilfe und Beratung, gehen bei Bedarf mit den Betroffenen einkaufen, helfen dort, wo Hilfe erforderlich ist. „Jeder Klient ist anders und braucht eine spezielle Therapiebegleitung“, die aber oft über Jahre geht. Die „Verhaltenstherapie ist die Basis des Ganzen und dazu kommt viel lebenspraktisches Training“, so Diplom-Psychologin Ulrike Andrecht-Geiken, die Therapeutische Leiterin des Autismus-Therapiezentrums Leer ist.

Ganz besonders wichtig sei den Therapeuten der Kontakt mit dem Umfeld der Klienten, bei Kindern und Jugendlichen in aller Regel mit den Eltern, Großeltern und auch Geschwistern. Oft würden autistische Kinder „in Watte gepackt“, um sie zu schonen. Dabei müssten sie gefordert und gefördert werden. „Wir alle haben eine soziale Verantwortung und müssen schauen, was der Mitmensch braucht“, so Diplom-Psychologin Steinhaus.

Aber die Therapien kosten Geld. Und wie bei vielen Projekten gibt es auch bei Autismus-Zentren gelegentlich Probleme mit der Finanzierung. Gerade auch das Bundesteilhabegesetz werde hier neue Standards setzen, die in Niedersachsen vom Land noch gesetzlich umgesetzt werden müssen. „Hier möchte ich gerne die Schwierigkeiten und Probleme erfahren“, so Ulf Thiele. Die gibt es glücklicherweise zwar selten. „Wir haben viel mit Sozialämtern zu tun, für die auch des öfteren im Rahmen einer Therapie ausführliche Berichte, zumeist alle halbe Jahre erstellt werden müssten, um eine weitere Therapie-Finanzierung zu erhalten. Dabei ist oft vorn vornherein nach der Diagnose klar, dass die Therapie einige Jahre in Anspruch nimmt“, so Ulrike Andrecht-Geiken. Aber die „Antragstellung ist oft schwierig“, denn außer dem Autismus gebe es häufig auch weitere Erkrankungen. „Die Hilfe wird im neuen System des Teilhabegesetzes möglicherweise zwischen verschiedenen Einrichtungen noch stärker aufgeteilt und zu sehr zersplittert“, befürchtet Andrecht-Geiken.


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